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Armut in der Schweiz: Betroffene reden über Geldsorgen und Einsamkeit - News - SRF


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Armut und Sozialhilfe-«Unser Sozialsystem ist gut, aber es weist eklatante Löcher auf»

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750’000 Menschen in der Schweiz gelten als arm – Tendenz steigend. Das geht aus den Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor. Noch viel mehr sind armutsgefährdet, nämlich 1'244’000 Menschen. Wieso ist das so? Wo kommt der Schweizer Sozialstaat an seine Grenzen und wer fällt durch die Maschen des Systems? Wir haben nachgefragt: bei Raphael Golta, Sozialvorsteher der Stadt Zürich.

Raphael Golta

Raphael Golta

Sozialvorsteher der Stadt Zürich

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SRF: Regelmässig wird man auf der Strasse von Menschen um Kleingeld gebeten. Geben Sie ihnen Geld? 

Raphael Golta: In aller Regel nicht, wenn auch mit einem unguten Gefühl. Grundsätzlich sollen Menschen dorthin, wo sie Unterstützung erhalten – nicht bloss einen Fünfliber. Die Notschlafstelle kostet in der Stadt Zürich seit Corona nichts mehr. 

Wieso sind selbst in der reichen Schweiz so viele Menschen armutsbetroffen?

Unser Land verfügt über einen grossen Wohlstand, der auch viele Menschen erreicht. Zugleich sind wir aber eine Hochleistungsgesellschaft, die viel abverlangt und sehr selektiv ist. 

Ein Schicksalsschlag kann eine Abwärtsspirale auslösen.

Einerseits bringen schlechte Startbedingungen tiefe Einkommen mit sich. Andererseits kann ein Schicksalsschlag eine Abwärtsspirale auslösen. Aus Einkommensverlust wird Wohnungsverlust, aus diesem wiederum entstehen psychische Probleme etc.

Das klingt, als könnte es jede und jeden treffen. Dabei haben wir doch ein gutes Sozialsystem?

Menschen aus prekären Verhältnissen, mit Migrationshintergrund oder mit kleinem Bildungsrucksack landen natürlich eher in der Sozialhilfe.

Gewisse Menschen werden regelrecht in die Armut getrieben.

Den Banker kann es aber auch treffen. Unser Sozialsystem ist recht gut ausgebaut, aber es weist auch eklatante Löcher auf. Einige wurden aus politischen Gründen bewusst «reingeschnitten». Ein Beispiel ist das Migrationsrecht, das den Sozialhilfebezug mit dem Verlust des Aufenthaltsstatus sanktionieren kann. Gewisse Menschen werden damit regelrecht in die Armut getrieben.

Welche anderen Lücken gibt es im Sozialsystem?

Wir stellen fest, dass es Menschen gibt, die staatlichen Institutionen gegenüber grundsätzlich skeptisch sind oder die wir mit unseren Mitteln nicht erreichen. Das können teils randständige Menschen sein, Drogenabhängige oder solche ohne festen Wohnsitz. 

Mit den 1000 Franken Sozialhilfe kann man keine grossen Sprünge machen.

Aber auch Migranten, die – zurecht oder nicht – Angst davor haben, dass der Staat sie ausweist. Diese Menschen erreichen wir nicht ausreichend und sie lassen sich zu wenig helfen. In solchen Fällen spielen zivilstaatliche oder kirchliche Institutionen eine wichtige Rolle, da sie niederschwelliger funktionieren.

Wie hoch ist die Sozialhilfe?

In der Sozialhilfe erhält eine Einzelperson neben der Unterbringung und der Gesundheitsversorgung circa 1000 Franken pro Monat, bei der Asylfürsorge sind es etwa 30 Prozent weniger. Mit diesem Geld kann man keine grossen Sprünge machen. Es ist verständlich, dass diese Menschen auch für Lebensmittelpakete anstehen.

Archiv: Sozialhilfe unter Druck – wie viel reicht zum Leben?

52:23
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Archiv: Sozialhilfe unter Druck – wie viel reicht zum Leben?
Aus DOK vom 10.01.2019.
abspielen. Laufzeit 52 Minuten 23 Sekunden.

Was tut die Stadt Zürich konkret gegen Armut?

Nebst den klassischen Mitteln wie Sozialhilfe, AHV/IV und Ergänzungsleistungen werden beispielsweise auch Ausbildungen finanziert. Bald soll ein kommunaler Mindestlohn hinzukommen. Zentral ist auch die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Institutionen, um gemeinsam die angesprochenen Lücken zu schliessen.

Durch die sichtbare Armut der Coronazeit bemerkten wir verstärkt, dass Menschen teils keinen Zugang zu unseren Angeboten haben. Seither arbeiten wir noch mehr mit diesen Organisationen zusammen.

Das Gespräch führte Olivia Röllin.



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Armut in der reichen Schweiz-Seit sie 13 ist, kämpft sie gegen die Armut

Die Familie von Vian Tobal lebt seit Jahren mit Geldsorgen. Also arbeitet Vian schon als Teenagerin neben der Schule. Der Weg aus der Armut ist steinig.

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Vian Tobal lernt früh, dass das Leben kostet. In der Primarschule ist sie die Einzige, die kein Instrument spielt, nicht in die Skiferien geht. Als Vian ihre Mutter fragt, ob sie ihr ein Spielzeug kaufe, meint die Mutter, sie hätten nicht mal Geld für ein Trambillett.

Wir lebten am Existenzminimum.
Autor:Vian TobalWuchs in Armut auf

Vians Familie flüchtet 2009 aus Syrien in die Schweiz. Das Asylverfahren dauerte damals noch drei Jahre. Während des Verfahrens ist es den Eltern verboten zu arbeiten. Die Familie bekommt Sozialhilfe.

Legende:Vian Tobal ist heute 21 und macht eine Banklehre. Sie war sechs Jahre alt, als ihre Familie aus Syrien floh.SRF / MATTHIAS WILLI

Bald aber beginnt der Vater in einer Pizzeria zu arbeiten. Im Stundenlohn und ohne Arbeitsbewilligung. «Sein Chef hat das ausgenutzt und ihm einen Hungerlohn bezahlt. Wir lebten am absoluten Existenzminimum. Das Essen bezogen wir von der Tafel», so Vian.

Ein Moment, der alles ändert

Zum Znüni nimmt Vian immer wieder Pizza mit, die der Vater mit nach Hause bringt. Ihrer Lehrerin fällt das auf. Sie lädt zum Elterngespräch: Pizza sei kein gesundes Znüni und nicht mehr erlaubt. «Mir war das so unangenehm. Meine Lehrerin konnte ja nicht wissen, dass unser Kühlschrank häufig leer war.»

Es ist der Moment als Vian beschliesst, selber Geld zu verdienen. Sie ist 13 Jahre alt.

Sie hilft einer älteren Dame im Haushalt, bekommt 20 Franken pro Woche. Damit kauft Vian das Znüni für sich und ihren Bruder, oder mal ein Spielzeug. Den Eltern sagt sie, sie hätte das Geld von der Schule oder einer Stiftung bekommen.

Und die Eltern glaubten das? «Ich hatte schnell einen Wissensvorsprung. Meine Eltern konnten jahrelang kein Deutsch, kannten das System in der Schweiz nicht.»

Ich war eigentlich noch ein Kind, hatte aber den Stress einer Erwachsenen.
Autor:Vian TobalWuchs in Armut auf

Vian dagegen rutscht in die Erwachsenenrolle. Daheim übernimmt sie bald die ganze Administration. «Ich hatte schnell das Gefühl, dass ich für meine Eltern zuständig bin. Ich musste lernen, was eine AHV-Nummer ist oder wie man die Steuererklärung ausfüllt.»

Legende:«Meine Eltern und ich standen auf Kriegsfuss», erinnert sich Vian Tobal an die schwere Zeit der Existenzangst.SRF / MATTHIAS WILLI

Rückblickend erzählt Vian, dass das eine totale Überforderung gewesen sei. «Ich war eigentlich noch ein Kind, hatte aber den Stress einer Erwachsenen.»

Gleichzeitig will sie ihren Eltern helfen. «Da war eine gewisse Erwartungshaltung: Sie haben für mich das Land, den Kontinent gewechselt, damit es mir einmal besser geht. Aber als Kind versteht man das nicht.»

Die Situation zu Hause ist angespannt. «Ich war häufig einfach wütend auf meine Eltern. Armut bedeutet Existenzangst und puren Stress.»

Als würde ich im Ozean schwimmen und versuchen, nicht zu ertrinken.
Autor:Vian TobalWuchs in Armut auf

Vians Eltern mussten damals beide die Schule nach wenigen Jahren abbrechen, um zu arbeiten und ihre Familien zu unterstützen. Sie kannten es also nicht anders. Vian betont aber, das habe nichts mit der Herkunft an sich zu tun. «Es ist schlicht wirtschaftliche Notwendigkeit.»

Über Wasser bleiben: ein Balanceakt

Vian beschreibt ihr Grundgefühl in der Jugend mit einem Bild: «Als würde ich im Ozean schwimmen und versuchen, nicht zu ertrinken. Aber nicht nur ich, sondern meine ganze Familie. Ich versuche, für sie zu schwimmen.»

Zu der finanziellen Lage kommen gesundheitliche Probleme. Vian hat eine beidseitige Hüftdysplasie, eine Fehlbildung des Hüftgelenks, und benötigt mehrere Operationen.

Legende:Einfach Kind sein, Ruhe haben und fürsorgliche Eltern. Wenn das nur während eines Klinikaufenthalts wirklich möglich ist, dann stimmt etwas nicht.VIAN TOBAL

Paradoxerweise freute sie sich – trotz der Schmerzen – jeweils auf die Zeit im Spital. «Ich konnte mich ausruhen und meine Eltern durften einfach Eltern sein und sich um mich kümmern.»

Vians Eltern arbeiten jahrelang in schlecht bezahlten Hilfsjobs: in der Reinigung, Backstube oder Wäscherei. Vian versucht also weiterhin Geld mitzuverdienen. Sie ist nun 15 Jahre alt.

Sie hilft im Tierheim aus, sammelt Unterschriften für Referenden. «Immer wenn ich 200 Franken angespart hatte, gab ich das Geld meinen Eltern.» Oder sie kauft Zugtickets für Ausflüge und Eintritte in die Badi für die ganze Familie.

700 Franken für eine Schulreise  «Ich war geschockt» 

Vian ist gut in der Schule und ehrgeizig. Sie will es unbedingt ans Gymnasium schaffen, auch ihre Eltern machen Druck.

Mit all den Belastungen fällt es ihr aber zunehmend schwer, ihren Schnitt zu halten. «Ich hatte damals einen Freund aus gutem Haus. Dieser bot mir Ritalin an. Das half.» Vian lernt nachts. «In der Schule hatte ich bald den Ruf einer Eule.» Die Ritalingeschichte fliegt auf, aber Vian schafft den Sprung ans Gymnasium.

Archiv: Armut in der Schweiz – wie helfen?

57:41
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Archiv: Armut in der Schweiz – wie helfen?
Aus Sternstunde Religion vom 04.02.2024.
Bild: SRFabspielen. Laufzeit 57 Minuten 41 Sekunden.

Die obligatorische Schule ist grundsätzlich gratis. Am Gymnasium kommen aber andere Kosten auf Vian zu. «Am ersten Tag hat die Lehrerin gesagt, dass unsere Bildungsreise 700 Franken kostet. Ich war total geschockt.» Während die Lehrerin spricht, kann Vian nur daran denken, wie sie dieses Geld zusammenbekommen soll.

Dazu kommen Kosten für Bücher und Laptop. Vian wendet sich ans kantonale Amt für Ausbildungsbeiträge. Ein aufwendiger Prozess: Sie muss eine ganze Reihe an Dokumenten einreichen, um zu beweisen, dass die Familie kein Geld hat.

Der Gang zum Bancomat

Nach vier Monaten bekommt sie einen Unterstützungsbeitrag. Der ist aber nur punktuell und Vian hat noch Schulden von den vielen Spitalaufenthalten.

Also beginnt sie, bei Burger King zu arbeiten. Vian ist jetzt 18 Jahre alt. Bald arbeitet sie praktisch jeden Tag nach der Schule, auch am Wochenende.

Eine junge Frau mit braunen Haaren steht vor einem Bach und Sträuchern.
Legende:Tagsüber arbeitete sie bei einer Fast-Food-Kette, nachts lernte sie für die Schule. Bis alles zu viel wurde.SRF / MATTHIAS WILLI

An ihren ersten Lohn erinnert sie sich gut: «Ich stand vor dem Bankautomaten und sah meinen Kontostand. 3000 Franken.» Wie ein Drogenrausch hätte es sich angefühlt. Vian kauft sich Kopfhörer. Mit dem Rest des Geldes übernimmt sie die Krankenkassenprämien der Familie.

«Doppelschichten» als Jugendliche 

In der Schweiz arbeitet jeder fünfte Jugendliche neben der Schule im Durchschnitt 15 Stunden pro Woche, Lehrlinge sind aus der Statistik ausgenommen. Es gibt aber keine Zahlen dazu, wie viele Jugendliche neben der Schule arbeiten, um ihre Eltern finanziell zu unterstützen. So wie Vian.

Archiv: Arm trotz Arbeit?

01:19:27
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Archiv: Arm trotz Arbeit?
Aus Club vom 09.01.2024.
Bild: Shutterstock/Mantikorraabspielen. Laufzeit 1 Minute 19 Sekunden.

Yann Bochsler ist Armutsforscher an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er vermutet, dass das häufig vorkomme: «In der Schweiz gilt man ab 15 als potenziell erwerbstätig. Wir wissen, dass Jugendliche aus armutsbetroffenen Familien generell viel Verantwortung übernehmen.» Man könne also davon ausgehen, dass viele von ihnen auch finanzielle Verantwortung tragen.

Wenn an der Kasse wenig lief, habe ich Karteikärtchen gelernt.
Autor:Vian TobalWuchs in Armut auf

So wie Vian. Im Gymnasium leistet sie praktisch Doppelschichten: Schule bis 17 Uhr. Danach die Schicht bei Burger King, bis das Restaurant schliesst.

Armut in der Schweiz – alles andere als ein Randphänomen

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«Die Bücher, die ich für die Schule lesen musste, habe ich mir als Hörbücher heruntergeladen. Wenn an der Kasse wenig lief, habe ich Karteikärtchen gelernt.» So hält sich Vian in der Schule über Wasser.

«Der Stoff war eigentlich nicht das Problem.» Die Erschöpfung schon. Eineinhalb Jahre hält sie durch, aber ihre Noten werden schlechter und schlechter, Vian müder und müder. Manchmal schläft sie im Unterricht ein. Sie fehlt häufig wegen Krankheit.

Irgendwann wird alles zu viel 

Dann steht ein Chemietest an. Vian weiss, dass diese Note entscheidend ist. Also fragt sie ihre Lehrerin, ob es möglich sei, den Test, der für 14 Uhr geplant ist, erst um 17 Uhr, also nach der Schule, schreiben zu können – sie sei völlig erschöpft. «Die Lehrerin meinte, das sei grundsätzlich möglich. Aber sie fahre ihren Laptop um 16:30 Uhr runter und danach habe sie wirklich keine Lust mehr, diesen wieder hochzufahren.» 

Vian sagt, sie verstehe, dass die Lehrerin ihre Bitte abgelehnt habe. «Aber diese Bemerkung war eine zu viel.»

Sind sich die Schulen der Thematik bewusst?

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Vian geht wortlos. Sie wendet sich ans Rektorat und bittet darum, das Gymnasium abzubrechen. Sie zieht die Reissleine – und holt sich psychologische Hilfe. Danach arbeitet sie noch drei Monate weiter bei Burger King. Nach einer Reise entscheidet sie, eine Banklehre zu beginnen.

Unsere finanzielle Situation bleibt knapp. Aber heute kommen wir als Familie über die Runden.
Autor:Vian TobalWuchs in Armut auf

Mit 21 ist sie nun im ersten Lehrjahr. Sie wohnt noch bei ihren Eltern. Mit ihrem ersten Lehrlingslohn lädt Vian die ganze Familie nach Portugal in die Ferien ein. Ihre Eltern hätten es auch verdient, sich mal auszuruhen, einfach mal zu geniessen.

Legende:Portugal sei genau das Richtige für den Familienurlaub gewesen, sagt Vian Tobal: «Meine Mutter liebt quirlige Städte, mein Vater die Natur.»VIAN TOBAL

Dass Vian ihren Eltern diese Ferien ermöglichen konnte, sei für sie pure Lebensfreude. Langsam bekommt Vian wieder Boden unter den Füssen, Luft zum Atmen.

Meine Geschichte zeigt, dass man es irgendwie schaffen kann. Aber das gelingt nur wenigen.
Autor:Vian Tobal

«Unsere finanzielle Situation bleibt knapp. Aber heute kommen wir als Familie über die Runden.» Sie könnten leben, nicht nur überleben. 

Legende:Heute ist wieder Ruhe in Vians Leben eingekehrt: Bei Spaziergängen mit Familienhund Rocky kann sie abschalten.SRF / MATTHIAS WILLI

Trotzdem: ein so «harmonisches» Ende wird Vian und dem Thema Armut nicht gerecht.

«Ja, meine Geschichte zeigt, dass man es irgendwie schaffen kann. Aber das gelingt nur wenigen. So viel Potenzial von Jugendlichen geht einfach verloren. Weil sie überarbeitet sind, weil sie psychisch an der Armut kaputtgehen.»

Vian wünscht sich, dass besser hingeschaut wird. «Es kann einfach nicht sein, dass Jugendliche aus finanziell schwächeren Haushalten so viel tragen müssen.»








Armut in der Schweiz: Betroffene reden über Geldsorgen und Einsamkeit - News - SRF


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Ein festlich geschmückter Christbaum, ein üppiges Festessen und Geschenke gehören in der Schweiz zu einer gelungenen Weihnachtsfeier. Für Menschen am Existenzminimum bedeuten die Festtage aber vor allem zusätzlichen Stress. Denn wie soll man die Weihnachtswünsche der Kinder erfüllen und den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden, wenn das Budget schon im Alltag knapp ist?


Gemäss der Caritas kann sich ein Fünftel der Menschen in der Schweiz eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken nicht leisten. Über 700’000 Menschen sind in der Schweiz armutsbetroffen, 1.2 Millionen Menschen gelten als armutsgefährdet. Alleinerziehende, Grossfamilien, ausländische Personen und ältere Menschen sind besonders betroffen. Als arm gilt eine Person, wenn sie 2284 Franken oder weniger im Monat zur Verfügung hat, für eine vierköpfige Familie sind es 4010 Franken.


Wie gerät man in der reichen Schweiz in Armut, wie feiert man Weihnachten, was hilft gegen Einsamkeit und welche Vorurteile gegen arme Menschen stören die Betroffenen am meisten? Der SRF «Club» hat mit Betroffenen gesprochen und Schicksale angetroffen, die so vielfältig sind wie die Armut selbst.